Was ist Forschungsdatenmanagement?
Ein gutes Forschungsdatenmanagement umfasst die Planung, systematische Organisation, Dokumentation und Archivierung von Forschungsdaten, damit diese nachvollziehbar, wiederverwendbar und langfristig verfügbar sind.
Hier erfahren Sie mehr zum Forschungsdatenmanagement an der Uni Graz.
Die Richtlinie zu Forschungsdaten-Governance bietet zusätzliche Orientierung.
Forschungsdaten sind eine wesentliche Grundlage für das wissenschaftliche Arbeiten. Die Vielfalt solcher Daten entspricht der Vielfalt unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen, Erkenntnisinteressen und Forschungsverfahren. Zu Forschungsdaten zählen u.a. Messdaten, Laborwerte, audiovisuelle Informationen, Texte, Surveydaten, Objekte aus Sammlungen oder Proben, die in der wissenschaftlichen Arbeit entstehen, entwickelt oder ausgewertet werden. Methodische Testverfahren, wie Fragebögen, Software und Simulationen können ebenfalls zentrale Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung darstellen und sollten daher ebenfalls unter den Begriff Forschungsdaten gefasst werden. Die langfristige Sicherung und Bereitstellung der Forschungsdaten leistet einen Beitrag zur Nachvollziehbarkeit und Qualität der wissenschaftlichen Arbeit und eröffnet wichtige Anschlussmöglichkeiten für die weitere Forschung. (Quelle: DFG Leitlinien, 2024)
Forschungsdaten sind die Beweise, auf denen die Antwort auf die Forschungsfrage beruht, und können zur Validierung von Ergebnissen herangezogen werden, unabhängig von ihrer Form (z. B. gedruckt, digital oder physisch). [...] Der Hauptzweck von Forschungsdaten besteht darin, die Informationen bereitzustellen, die zur Untermauerung oder Validierung der Beobachtungen, Ergebnisse oder Outputs eines Forschungsprojekts erforderlich sind. (Quelle: UK Research and Innovation, 2016)
Forschungsdaten sind nicht
- eine wissenschaftliche Arbeit
- durch Gesetze zum Schutz geistigen Eigentums geschützt
- Ihr persönliches Eigentum
- etwas, das weggeschlossen werden muss
Forschungsdaten lassen sich auf vielfältige Weise kategorisieren, beispielsweise nach:
- Quelle: Behördendaten, vorhandene Forschungsdaten, Umfragedaten, …
- Format: Numerische Daten, Text, Bilder, Geodaten, Audio, Video, 3D-Modelle, …
- Art: Fragebögen, Interviews, Feldnotizen, Textdokumente, Bilder, Tagebücher, Transkripte, Tonbänder, Fotos, Videoaufzeichnungen, …
- Phase des Forschungsprozesses: Rohdaten, bereinigte Daten, analysierte Daten, …
- Zugänglichkeit: Offene/eingeschränkte/geschlossene Daten
- Aussagekraft: Positive Ergebnisse, negative Ergebnisse, nicht eindeutige Ergebnisse, …
- Merkmale: Qualitative oder quantitative Daten
- Vertraulichkeitsstufe: Vertrauliche Daten, personenbezogene Daten
Forschungsdaten sind jede Information, die gesammelt, aufgezeichnet oder kreiert wurde, um originäre Forschungsergebnisse zu erzeugen und zu validieren. Der Charakter von und der Umgang mit Forschungsdaten unterscheiden sich zwischen Methoden und Fachdisziplinen stark. Daher gelten die folgenden Punkte sinngemäß (Richtlinie der ÖAWI 2026):
a. Forschende sind verantwortlich für die fachgerechte Sammlung und lückenlose, für Dritte nachvollziehbare Dokumentation von Methodik und Verfahren der Datenerhebung und ihrer Ergebnisse, der Primärdaten, sowie aller Bearbeitungs-schritte und
deren Ergebnisse.
b. Forschende heben alle die Datenerhebung und -bearbeitung belegenden Unterlagen wie Protokolle, Metadaten, Labor- und Feldnotizen gesichert und in geeigneter Form für einen klar spezifizierten Zeitraum auf.
c. Forschende machen, soweit dem keine anderen Verpflichtungen oder sonstige wichtige Gründe entgegenstehen, ihre Daten entsprechend der FAIR Prinzipien offen verfügbar. Hierbei ist der Grundsatz „so offen wie möglich und so eingeschränkt wie
notwendig“ zu bedenken.
Nach dem FAIR-Data-Prinzip müssen Daten folgendes sein:
(Quelle: Wilkinson et al., 2016)
- Auffindbar (Findable)
- global eindeutiger Identifikator, in den Metadaten ausführlich beschrieben, in einer durchsuchbaren Ressource indexiert
- Zugänglich (Accessible)
- über ein universelles Protokoll abrufbar (z. B. über HTTP); Metadaten sind auch dann verfügbar, wenn die Daten selbst nicht mehr zugänglich sind
- Interoperabel (Interoperable)
- (zumindest die) Metadaten müssen in standardisierter Form verfügbar sein
- Wiederverwendbar (Reusable)
- Metadaten und/oder Daten verfügen über eine klare und detaillierte Lizenz (z. B. Creative Commons)
Ein sorgfältiger und geplanter Umgang mit Forschungsdaten ist Teil guter wissenschaftlicher Praxis und dient der Nachvollziehbarkeit und Nachnutzbarkeit von Forschungsdaten. Ein Tool, mit dem diese Anforderungen geplant und dokumentiert werden können, ist der Datenmanagementplan (DMP):
(Quelle: Website Universitätsbibliothek)
- Ein strukturierter Leitfaden (Dokument oder Online-Tool), der den gesamten Lebenszyklus von Daten abdeckt: von der Planung über die Erhebung und Verarbeitung bis hin zur Langzeitarchivierung und Wiederverwendung
- Ein „lebendiges“ Dokument das im Laufe des Projekts angepasst und aktualisiert wird
Vorteile:
- Fester Bestandteil des Projektmanagements
- Rechtzeitige Planung der Datenerhebung, Datenorganisation und Ressourcen (Kosten, Personal)
- Festlegung der Zuständigkeiten
- Verbessert die Nachvollziehbarkeit für Dritte
- Insgesamt geringerer Verwaltungsaufwand
- Risikomanagement: Mögliche Probleme können frühzeitig erkannt werden
Inhalte eines DMP:
- Allgemeine Projektinformationen
- Datenmerkmale
- Dokumentation und Metadaten
- Datenqualität
- Datenspeicherung
- Datenaustausch
- Langzeitarchivierung
- Rechtliche und ethische Aspekte
- Dokumentation des Forschungsdatenmanagements